Bildung für Alle: Chancen erhalten - Herausforderungen gestalten

Gute Bildung für alle
Es bleibt Ziel der SPD für alle Kinder und Jugendlichen gute Bildungschancen zu schaffen, damit sie jeweils die bestmögliche individuelle Bildung und Qualifizierung erreichen können. Die soziale Herkunft darf nicht den Bildungsweg bestimmen.

Gute Bildung beginnt bereits in der Kindertagesstätte und im Kindergarten. Sie setzt sich über die Grundschule, den Hort und die weiterführenden Schulen fort, mündet in die Berufsbildenden Schulen, die Ausbildung oder die Hochschule und wird ergänzt durch den Zweiten Bildungsweg. Wir wollen überall dort durch gute Förderung jedem Kind den Weg zu einem optimalen Schulabschluss öffnen. Und wir wollen so zugleich alle Bildungspotentiale unserer Stadt heben.

Eine gute Bildung und Ausbildung ist für Jugendliche die beste Eintrittskarte in ein Leben mit guten sozialen Zukunftschancen und die Voraussetzung für gute berufliche Perspektiven. Sie ist aber auch die Voraussetzung für eine optimale Sicherung des Bedarfs an Fachkräften und für die Stärkung der Innovationspotentiale der Stadt und der Region Göttingen.

Herausforderungen gestalten
Göttingen hat schon jetzt eine exzellente Schullandschaft, die für alle Schüler*innen gute Lernmöglichkeiten bereitstellt. Die SPD Göttingen wird dafür sorgen, dass dies so bleibt und zugleich neuen Herausforderungen rasch begegnen.

Die Corona-Krise mit ihrem „Shutdown“ des öffentlichen Lebens hat auch Schulen getroffen, mit massiven Einschränkungen für das Lernen. Das „Lernen zu Hause“ hat dazu geführt, dass der ohnehin noch immer nicht völlig beseitigte Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Lernerfolg von Schüler*innen wieder verstärkt wurde. Unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten und finanzielle Ressourcen der Familien, aber auch das Geschlecht der Schüler*innen haben zu einem erneuten Anstieg der sozialen Ungleichheit von Bildungschancen geführt. Internetzugang, der Besitz geeigneter digitaler Endgeräte, das Vorhandensein eines eigenen Zimmers zum ungestörten Lernen und Möglichkeiten der Eltern das Lernen zu unterstützen, sind verstärkt zur Voraussetzung zum erfolgreichen Lernen geworden. Unterschiedlich entwickelte Kompetenzen zum selbständigen Lernen verschärfen diese Defizite. Hinzu kommt, dass Schulen und Lehrkräfte nicht ausreichend auf die Gestaltung des digitalen Unterrichts oder die Einhaltung von Hygienevoraussetzungen (z. B. Raumgrößen) vorbereitet sind. Wenn wir die Göttinger Schulen fit machen wollen für diese Herausforderungen, dann müssen wir rasch reagieren – soweit es der Stadt als Schulträger möglich ist.

Eine nicht mehr so neue – aber deswegen nicht weniger wichtige – Herausforderung ist der Erhalt und die Verbesserung der Vielfalt unserer weiterführenden Schulen. Hier fehlt ein Angebot, das die schon gut aufgestellte Berufsorientierung unserer Schulen weiter ausbaut und damit sowohl die Wünsche von Eltern und Schüler*innen nach einer Schule mit einem stärker berufs- und praxisbezogenen Schwerpunkt aufnimmt als auch dem drohenden Fachkräftemangel in der Region Südniedersachsen entgegenwirkt.

Wir haben schon viel erreicht

Die SPD als Partei der Bildung hat ihre Politik an diesen Leitlinien orientiert und wird dieses auch in Zukunft tun. Dabei sind wir in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen: Mit dem Ausbau und der Qualität unserer Schulen liegt Göttingen an der Spitze in Niedersachsen. Unsere Stadt hat die höchste Betreuungsdichte im Bereich der vorschulischen Bildung, dies zeigt sich unter anderem in der höchsten niedersächsischen Krippenquote. In Göttingen besuchen heute mehr als 55 Prozent aller Schüler*innen ein Gymnasium. Mehr als ein Drittel gehen auf eine Gesamtschule – damit und mit den Berufsbildenden Schulen steht allen der Weg zum Abitur offen. Das sind Spitzenwerte in Niedersachsen. Hinzu kommt: Weniger als zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler brechen die Schule ab.

Die SPD hat mit ihrer kommunalen Schulpolitik und dem Engagement ihrer Mandatsträger auf der Landes- und Bundesebene dafür die Voraussetzungen mit geschaffen. Wir haben zum Beispiel…

  • … die KiTa-Versorgung ausgebaut, auch durch den Einsatz für die dritte Krippenkraft.
  • … den Ausbau von 20 Grundschulen zu qualitativ guten Ganztagsschulen mit integrierter Hortbetreuung vorangetrieben.
  • … durch die Stadt als Schulträger die beschleunigte aber qualitativ gute Einführung der inklusiven Schule in Göttingen und an allen allgemeinbildenden Schulen unterstützt und uns zugleich für den Bestandschutz der Martin-Luther-King Schule bis zum Jahr 2027/28 erfolgreich eingesetzt.
  • … durch die Entwicklung des Schulstättenentwicklungskonzeptes eine Grundlage für die langfristige Schulentwicklung geschaffen und dabei z. B. für den beschleunigten Ausbau der Lohbergschule, und dem Bereitstellen von Mitteln für den Ausbau der Herman-Nohl- und Janusz-Korczak-Schule eingesetzt.
  • … angesichts der Covid-19-Pandemie im Hinblick auf den Infektionsschutz für kleinere Klassen gekämpft, dafür gesorgt, dass die Schulen schnell mit digitalen Endgeräten für Schüler*innen ausgestattet werden und erste Schritte unternommen, den Schülerverkehr in ein künftiges Mobilitätskonzept einzubetten.
  • … mit der Einrichtung der dritten Integrierten Gesamtschule in Göttingen-Weende mehr Gesamtschulplätze geschaffen.
  • … nach der Fusion der Volkshochschulen von Stadt und Landkreis Göttingen sowie des Landkreises Osterode am Harz ein leistungsfähiges Angebot für die berufliche, soziale und kulturelle Weiterbildung auch in der Fläche des Landkreises konsolidiert.
  • …eine weitere sozialpädagogische Stelle an der Produktionsschule geschaffen. In dieser Schule werden schulpflichtige Kinder mit Schulvermeidungshaltung wieder an den Schulbetrieb herangeführt. Das Konzept ist sehr erfolgreich. Im Jahr 2019 haben 85 % der Absolvent*innen die Schule mit einem Abschluss, also einer neuen Perspektive verlassen.
  • …ein zentrales Anmelde- und Verteilungsverfahren für die Kitas eingeführt, weil immer wieder Probleme bei Anmeldungen auftreten. Ziel ist eine größere Transparenz und eine gerechtere Platzzuweisung.


Wo wollen wir hin?

Was gut ist, kann noch besser werden. Deshalb wollen wir in der nächsten Wahlperiode des Rates an dem bisher von uns Erreichten anknüpfen und die neuen Herausforderungen angehen. Wir wollen die Zukunft der Stadt und ihrer Kinder und Jugendlichen durch Bildung gestalten. Unser Ziel ist es, Göttingen zur „Bildungshauptstadt“ für Südniedersachsen und das gesamte Bundesgebiet auszurufen. Gemeinsam mit unseren Vertreter*innen auf Landes- und Bundesebene werden wir dafür an unseren Projekten arbeiten.

Kindertagesstätten und frühkindliche Bildung
Die Kitas in Göttingen wollen wir qualitativ und quantitativ noch weiter verbessern und dabei regionale Unterschiede in der Stadt ausgleichen.

Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, dass flächendeckend eine dritte Kraft in Krippen und Kindertagesstätten eingesetzt wird. Den Ausbau inklusiver Krippen wollen wir weiter voranbringen. Zugleich muss die Ausbildung der Erzieher*innen, der sozialpädagogischen Assistent*innen und Sozialpädagog*innen besser werden, um die Professionalisierung noch weiter zu steigern. Die Bezahlung dieser Berufe muss aber in Zukunft auch entsprechend angehoben werden. Zur Qualitätsverbesserung setzen wir uns auch weiter dafür ein, dass sich möglichst viele Kitas in der Stadt an dem Netzwerk „Haus der kleinen Forscher“ der Bildungsregion Südniedersachsen beteiligen und so MINT-Bildung spielerisch in ihr pädagogisches Konzept integrieren.
Der Rechtsanspruch auf einen Krippen- und einen Kindergartenplatz muss in Göttingen vollständig umgesetzt werden. Dabei ist auch die Erreichbarkeit der Kindertagesstätte im jeweiligen Ortsteil zu berücksichtigen. Die räumliche Ausstattung der Kindertagesstätten muss an die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden. Dafür müssen weitere Kitas gebaut werden – verstärkt westlich der Leine, dort fehlen die meisten Plätze.

Schulen
Auch im Schulbereich gilt es der bestehenden sozialen Ungleichheit innerhalb unserer Stadt entgegenzuwirken. Der Bildungsbericht Südniedersachsen zeigt klar, dass in den Gebieten östlich der Leine teilweise mehr als 65% der Schüler*innen das Abitur erreichen, westlich der Leine sind es weniger als 35%. Umgekehrt erreichen in den Bereichen westlich der Leine ca. 20% der Schüler*innen einen Hauptschulabschluss, in den östlichen Bereichen der Stadt sind es überwiegend weniger als 10%. Hier wollen wir langfristig durch bessere Bildungs- und Familienberatung eine Angleichung erreichen. Die in diesem Gebiet angesiedelten Schulen im Primar- und Sekundarbereich sollen zugleich auch bei baulichen Maßnahmen besser unterstützt werden.

Deshalb ist auf unsere Initiative 2017 ein „Schulstättenentwicklungkonzept“ (SSEK) für Baumaßnahmen an Grundschulen und weiterführenden Schulen erstellt worden. Dort sind alle Schulen mit ihren Räumen und den baulichen Entwicklungszielen erfasst und die Bedarfe bis 2020 fortgeschrieben worden. Es ist ein Planungsinstrument, welches zugleich die immensen Kosten der Schulstättenentwicklung deutlich macht.
Die SPD Göttingen wird in den nächsten Jahren Prioritäten setzen und darauf achten, dass alle Schulen angemessen durch Investitionen unterstützt werden.

Die Göttinger Schullandschaft ist durch ihre Vielzahl kleiner und pädagogisch professionell geführter Grundschulen geprägt. Dies ist ein Baustein dafür, dass sich junge Familien weiterhin auch in Göttinger Ortsteilen ansiedeln. Mit der Göttinger SPD wird es deswegen keine Schließung von Grundschulen geben. Im Gegenteil: Wir werden viel Geld in den nächsten Jahren in die Hand nehmen, um das Programm der Einrichtung von qualitativ guten Ganztags-Grundschulen fortzuführen. Mit dem Ausbau der Schulen – vor allem der Grundschulen – zu Ganztagsschulen werden sich nicht nur die Fördermöglichkeiten für die Kinder verbessern, sondern auch die Betreuungssituation für berufstätige Eltern und Alleinerziehende.
Wir wollen erreichen, dass an allen Schulen die Betreuungszeiten bis 17.00 Uhr ausgedehnt werden. Langfristig und mit Hilfe des Landes soll es auch in den Ferien Betreuungszeiten geben. So soll die Betreuungssituation noch besser auf die Bedürfnisse der Erziehenden abgestimmt werden.

Sieben Grundschulen beteiligen sich am Projekt „Qualitätsentwicklung Ganztagsschule – Modellprojekt für Grundschulen [QEGS]“ der Bildungsregion Südniedersachsen. Wir unterstützen im Stadtrat die teilnehmenden Schulen auf ihrem Weg und planen gleichzeitig die Ergebnisse des Modellprojektes möglichst auf alle Grundschulen der Stadt zu übertragen.

Ein weiterer unserer Schwerpunkte wird auch die Verbesserung der Übergangssituationen zwischen den Schulstufen, z. B. durch bessere Zusammenarbeit zwischen den Schulstufen sein.

Wir werden im Zusammenspiel mit dem Land Niedersachsen weiterhin auch die Umsetzung der inklusiven Schule vorantreiben. Göttinger Sozialdemokrat*innen werden im künftigen Stadtrat für eine bessere Ausstattung der inklusiven Schulen mit betreuendem Fachpersonal sowie barrierefreie Zugänge kämpfen. Dabei werden wir alle weiterführenden Schulen bei der Realisierung der Inklusion mit einer besseren sächlichen und personellen Ausstattung unterstützen. Damit soll einerseits der hohen Belastung der Gesamtschulen, die die überwiegende Zahl der Inklusionskinder beschulen, Rechnung getragen werden und andererseits den Kindern, die zum Gymnasium wollen, der Zugang erleichtert werden.

Wir werden auch weiterhin auf ausreichende Schulplatzkapazitäten im Bereich der Sek. 1 drängen – entweder durch den Ausbau der Bonifatiusschule II oder durch die Einführung der „Dualen Schule“, wie unten beschrieben. Auf jeden Fall muss die für die IGS belastende und für Schüler*innen beschämende Form des Unterrichts in sog. Versorgungklassen so schnell wie möglich beendet werden.

Zugleich muss an allen Schulen die Schulsozialarbeit eingeführt oder gestärkt werden. Da es sich hier um eine Landesaufgabe handelt, werden wir auf Landesebene für die Anhebung des entsprechenden Haushaltstitels eintreten. Es bleibt unser Ziel, dass zunächst die Ganztagsschulen einen Anspruch auf Schulsozialarbeiter*innen erhalten.

Ausdrücklich beziehen wir dabei die Martin-Luther-King-Schule (Förderschule Lernen) mit ein. Das gilt sowohl für die Ausstattung als auch für die Schulsozialarbeit.

Von der Schule zum Beruf – Errichtung der Dualen Schule
Der zweite Bildungsbericht Südniedersachsen (2019) zeigt deutlich, dass Handlungsbedarfe im Bereich der Berufsorientierung in der Region vorhanden sind. Eine steigende Anzahl an Schüler*innen besucht das Übergangssystem der Berufsbildenden Schulen, um auf diesem Weg ihre Chancen auf eine Berufsausbildung zu erhöhen. Diese Entwicklung wollen wir – koordiniert und auch unterstützt durch die Bildungsregion Südniedersachsen – mit einer guten Berufsorientierung in den Schulen unserer Stadt unterstützen und den Übergang von der Schule in den Beruf zukünftig mehr in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken.

Viele unserer weiterführenden Schulen partizipieren an den verschiedenen Projekten der Bildungsregion, sie entwickeln Ideen, Konzepte und Bausteine zur Berufsorientierung in der SEK II oder sie sind Teil der Initiative SchulBetrieb und gehen mit Unternehmen vor Ort eine Partnerschaft auf Augenhöhe ein. Hierbei werden wir die Bildungsregion und die Schulen weiterhin unterstützen. Wir sehen diese zusätzliche Arbeit der Lehrkräfte als sehr wertvoll und zukunftsweisend für unsere Schüler*innen an.

  • Die Berufsbildenden Schulen werden wir anknüpfend am regionalen Übergangsmanagement deshalb darin unterstützen, ihre Brückenfunktion zur Integration in die Berufsausbildung wahrnehmen zu können.
  • Zugleich halten wir aber daran fest, das Prinzip der Berufsorientierung durch Einrichtung einer „Dualen Schule“ bereits ab dem Beginn der weiterführenden Schulen im 5. Schuljahr noch weiter zu stärken. Diese Schule kann entweder durch die Weiterentwicklung einer schon bestehenden Schule, wie z. B. der Bonifatius-Schule II oder durch die Einrichtung einer neuen Schule entstehen.


Unser Ziel ist es dabei die Vielfalt der Göttinger Schullandschaft durch Einrichtung einer Schule zu ergänzen, die in ihrem Konzept und der Unterrichtsorganisation intensiver die Berufsorientierung durch das Angebot beruflicher Bildungsinhalte einschließlich des praktischen Lernens verfolgt. Durch die stärkere Berücksichtigung beruflichen Lernens im Unterricht (Lernen für berufliches Handeln) und praktischem Lernen (Lernen durch berufliches Handeln) wollen wir stärker auf Unterschiede des Lernverhaltens und der Lernwege von Schüler*innen eingehen und zugleich einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leistet. Die Schule soll deshalb praxisorientiertes Lernen mit gleichzeitiger intensiver Förderung verbinden und damit Lernerfolgserlebnissen auf vielen, eben auch praktischen Wegen organisieren. Zugleich soll es eine enge Kooperation mit Berufsschulen geben, an denen auch der berufsbezogene Unterrichts erteilt wird. Längere Praktika in Göttinger Industrie-, Handwerks-, Handels-, Dienstleistungs- oder öffentlichen Betrieben sind ein zentraler Bestandteil des Konzeptes. Gleichzeitig soll aber das Erreichen aller Abschlüsse bis zum Abitur möglich sein.

Die Schule soll als jahrgangsbezogene Oberschule organisiert sein, um sowohl die intensive Förderung als auch die ständige Durchlässigkeit zu gewährleisten. Sie stellt ein Angebot an jene Kinder dar, die sich schon während ihrer Schulzeit möglichst optimal für einen später möglichen Berufswunsch vorbereiten und sich gleichzeitig alle weiterführenden Schulwege offenhalten wollen.

Schulentwicklung – Konsequenzen aus Covid 19

Die SPD Göttingen wird für ihre weitere Schulpolitik alle Erfahrungen mit den Folgen der Covid-19-Pandemie zusammenführen, um daraus für die Stadt Göttingen als Schulträger die Konsequenzen für die Gestaltung von Schule und für den Bau oder die Sanierung von Schulraum in der Zukunft zu ziehen.

Schon jetzt sind erste Konsequenzen absehbar. Die Schule müssen so ausgestattet werden, dass sie ihr Hygienekonzept nachhaltig umsetzen können. So ist es sinnvoll, in den Klassen die Doppeltische durch Einzeltische zu ersetzen und Möglichkeit zum Schutz vor Aerosolen und den effektivsten Luftaustausch zu schaffen.

Während des „Shutdowns“ der Schulen sind nicht alle Lernenden in gleicher Weise erreicht worden. Kindern und Jugendliche, die keinen Internetzugang haben, denen es an Endgeräten oder am eigenen Zimmer zum Lernen mangelt, sind stark benachteiligt. Dem kann dadurch entgegengesteuert werden, dass Lernräume in Stadtteil- oder Familienzentren oder auch in Schulen geschaffen werden. Dort müssen flankiert mit zusätzlichem Personal Stütz- und Fördermaßnahmen aufgebaut werden.

Langfristig bedeutet es, dass die Schüler*innen mehr Platz zum Infektionsschutz, aber auch für zukunftsträchtige Methodik benötigen. Da alte Räume nicht vergrößert werden können, wird sich die SPD beim Kultusministerium weiter für kleine Klassen einsetzen, was natürlich zusätzlichen Raumbedarf zur Folge hat. Weiterhin müssen die Göttinger Schulbauplanungen unter dem Gesichtspunkt Infektionsschutz überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Diese Überlegungen müssen sich – genau wie die folgenden Überlegungen zur digitalen Ausstattung der Schulen – im Schulstättenentwicklungskonzept (SSEK) niederschlagen. Wir werden hier prüfen, ob weitere Haushaltsmittel dafür zur Verfügung gestellt werden können.

Digitale Schulentwicklung – über Covid 19 hinaus
Auch als Konsequenz aus der Pandemie wird die SPD Göttingen ihren Kurs fortsetzen und weiter für eine zügige Ausstattung der Schulen mit einer zukunftsorientierten und modernen Infrastruktur (u. a. durch Neue Medien; Schulbibliotheken bzw. -mediatheken) eintreten.

Eine wichtige Aufgabe wird die digitale Transformation der Schule sein. Der Part der Stadt ist mit dem Medienentwicklungskonzept beschlossen und festgelegt. Die SPD wird die dazu nötigen Mittel in die kommenden Haushalte einstellen. Wir werden dafür sorgen, dass die Gebäude zügig mit der notwendigen Hardware versehen werden und wir wollen darauf achten, dass dabei die pädagogischen Konzepte der Schulen berücksichtigt werden.

Wir werden Personalstellen schaffen, damit die Hardware und die Netze der Schulen durch städtische IT-Mitarbeiter betreut und gewartet werden. Zusätzlich muss jede Schule eine IT-Person als „Schnittstelle“ zur Stadt vorhalten. Wir streben eine Arbeitsgruppe an, der die städtischen und schulische IT-Beauftragten sowie die pädagogischen Leiter*innen der Schulen angehören. In dieser Arbeitsgruppe sind die schulischen IT-Mitarbeiter*innen fortzubilden und zu schulen.

Zweiter Bildungsweg
Traditionell ist es der SPD ein besonderes Anliegen, auch die Möglichkeiten des „Zweiten Bildungsweges“ zur Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe aller zu stärken. Deshalb werden wir das Abendgymnasium und weitere freie Träger mit Weiterbildungskonzepten im Bereich der Erwachsenenbildung weiter fördern.

Insbesondere werden wir unser Augenmerk auf den Erhalt der Qualität der VHS legen und gemeinsam mit dem Landkreis die aktuellen Probleme, die durch die Pandemie noch verstärkt wurden, angehen. Dazu gehört zunächst die Gestaltung einer ausreichenden Finanzdecke der VHS, die durch die notwendige Festeinstellung von Lehrkräften im Bereich des Zweiten Bildungsweges und den Verlust der sehr kostengünstigen Räumen in der Hans-Christian-Andersen-Schule und nunmehr anfallenden höheren Mieten notwendig geworden ist. Hier sehen wir – neben eigenen Konsolidierungsbemühungen der VHS – die Stadt und den Landkreis in der Pflicht, das entstandene strukturelle Defizit aus steigenden Personal- und Mietkosten für die VHS planbar auszugleichen.

Generell wollen wir das Profil der VHS als Einrichtung der Erwachsenenbildung und des Zweiten Bildungsweges schärfen und ihr dafür kurzfristige Hilfen und eine langfristige Perspektive geben. Dazu gehören:

  • Aktuell die Gleichstellung der VHS (und auch anderer Bildungseinrichtungen in diesem Spektrum) mit den Einrichtungen des Ersten Bildungsweges im Rahmen der Corona-Verordnungen, die die VHS durch das generelle Präsenzverbot stärker einschränkt als die Einrichtungen der beruflichen Bildung und des Ersten Bildungswegs. Darunter leidet gerade die Arbeit mit stärker benachteiligten Teilnehmenden (u. a. die Integrations- und Deutschkurse auf niedrigem Sprachniveau sowie der 2. Bildungsweg). Hier ist die Aufrechterhaltung der Angebote im digitalen Format sehr schwierig.
  • Langfristige Hilfen bei der Umstellung eines Teiles des Unterrichtsbetriebes auf digitales Lernen und Angebote und – falls nötig – weitere Hilfen bei der personellen Absicherung des Zweiten Bildungsweges.
  • Die Prüfung, ob es möglich ist, Lernstätten der VHS in unmittelbarer Innenstadtnähe zu etablieren.


Zugleich werden wir bei der Finanzierung der VHS allerdings auch das Land Niedersachsen nicht aus der Verpflichtung für die Erwachsenenbildung entlassen, sondern auf eine Erhöhung der Zuschüsse drängen.

Bildungsregion Südniedersachsen
Wir stehen hinter dem Konzept der staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft für Bildung in der Bildungsregion Südniedersachsen Wir unterstützen zugleich das Ziel, ein Bildungsmanagement und eine Vernetzung aller Akteure in der Region zu schaffen, bei dem eine hohe Qualität der Bildungsprozesse sowie Chancengleichheit im Fokus steht. Gerechte, transparente und abgestimmte Bildungszugänge sollen initiiert, barrierearme Übergänge modelliert und eine Verbesserung des Bildungsstandortes Südniedersachsen angestrebt werden.

Dies kann auch unter dem Dach der Südniedersachsenstiftung stattfinden. Allerdings muss dabei die bisherige bildungspolitische Zielrichtung erhalten bleiben wie auch die kommunale Steuerung. Deshalb stehen wir strikt für eine weitgehende inhaltliche Autonomie der Bildungsregion unter dem Dach der Stiftung und gegen Einsparungen beim Personal. Nur wenn dies gesichert ist, werden wir weiteren Zuschüssen aus dem Haushalt der Stadt für die Bildungsregion zustimmen.

Die Bildungsregion könnte mit der Vernetzung aller Bildungsakteure in der Region zum Kern und Ausgangspunkt für die „Bildungshauptstadt“ Göttingen werden.

Hochschullandschaft und Forschungsinstitute
Göttingen ist ein starker und innovativer Hochschulstandort. Wir werden die weitere positive Entwicklung der Hochschul- und Forschungslandschaft kooperativ begleiten, die nötigen kommunalpolitischen Rahmenbedingungen schaffen und gegenüber der Niedersächsischen Landesregierung die gemeinsamen Interessen von Stadt und Hochschulen vertreten.

Neben der Universität sind mittlerweile alle großen Forschungsgesellschaften in Göttingen ansässig. Fünf Max-Planck-Institute, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt der Helmholtz-Gesellschaft und das Deutsche Primatenzentrum haben gemeinsam mit der Universität und der Akademie der Wissenschaften den „Göttingen Campus“ aufgebaut. In absehbarer Zeit wird auf Initiative unseres verstorbenen Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann ein Fraunhofer Institut nach Göttingen kommen. Ergänzt wird der „Campus“ noch durch die Hochschulen HAWK und Private Hochschule PFH.
Um als Wissenschafts- und Forschungsstandort zu punkten, werden wir Diversität und Offenheit unserer Stadtgesellschaft fördern und durch Vergünstigungen für Studierende sowie den Erhalt der Kultureinrichtungen die Attraktivität der Stadt erhalten.

Die Universität, die Fachhochschule (HAWK), die Private Fachhochschule und die Forschungseinrichtungen sind schon jetzt wichtige Arbeitgeber, von denen positive Impulse in alle Bereiche der Stadtgesellschaft ausgehen. Ca. 15.000 Menschen arbeiten hier. Es gilt, ihre Funktion als Innovationsmotor der Stadt und des Umlandes auszubauen. Dazu werden wir auch gegenüber dem Land – gemeinsam mit dem Wissenschaftsbereich – eine ausreichende Finanzierung einfordern.

Als kommunalpolitische Aufgabe sehen wir weiterhin die erfolgreiche und produktive Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in unserer Region an. Wir wollen mit einer Qualifizierungsoffensive Fachkräfte von dem hervorragenden Hochschulstandort profitieren lassen und unser Knowhow in der Region ausbauen. Mit Weiterbildungseinrichtungen wollen wir den Kontakt intensivieren, um Konzepte zu entwickeln, die auch in Zukunft die besten und klügsten Köpfe in und um Göttingen halten.

Wir wollen die Folgen der Pandemie für den Forschungs- und Lehrbetrieb mindern und Kooperationsangebote für unsere Hochschulen schaffen, damit wir auch weiter als Standort der Weiter- und Hochschulbildung im Land attraktiv für Forschung und Lehre bleiben.

Die Pandemie hat die Studierenden hart getroffen. Geschlossene Gebäude, fehlende Ausstattung für die digitale Lehre und weggefallene Nebenjobs haben auch in Göttingen zu Studienabbrüchen und finanziellen Engpässen der Studierenden geführt. Falls die Krise noch weiter anhält und auch in Vorschau auf die nächsten Jahre muss dazu über einen Fonds für einmalige Unterstützungen und entsprechende Regelungen des BAföG interveniert werden. Dies werden wir gegenüber der Landes- und Bundesebene einfordern.

Dazu gehört auch unsere Unterstützung für das Studentenwerk gegenüber dem Land, das durch die Folgen der Pandemie langfristig in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist.

Dazu gehört aber vor allem auch die Unterstützung der Universität für genügend Ressourcen für den digitalen Umbau der Lehre, wobei wir aber Konzepte einfordern, die den Bereich des sozialen Lernens während eines Studiums im direkten Kontakt mit anderen Studierenden erhalten.

In diesem Zusammenhang werden wir uns massiv auf der Landesebene für eine Rücknahme der aktuellen Sparvorgaben einsetzen. Niedersachsen und Göttingen dürfen nicht bundesweit bei der Hochschulfinanzierung „in den Keller“ rutschen.