Umweltpolitik: Eine lebenswerte Stadt für Alle

Klimaschutz für Alle

Der Klimawandel schreitet voran. Darum müssen auch kommunale Klimaschutzmaßnahmen nachdrücklich das Ziel verfolgen, bis 2030 große Fortschritte in der CO2-Einsparung erzielt zu haben, um die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf möglichst 1,5 Grad Celsius einzuhalten.

Wir haben schon einiges erreicht
Seit über 30 Jahren wird in Göttingen unter SPD-geführten Stadtregierungen dem Schutz des Klimas hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht zuletzt auf Betreiben der SPD wurde der Masterplan 100% Klimaschutz entwickelt, der eine Bestandsaufnahme des Energiebedarfs und der Emissionen vorsah und konkrete Planung von Maßnahmen ermöglich hat. Etwas später wurde der Plan zur Verkehrsentwicklung und der Luftreinhalteplan gemeinsam mit dem Koalitionspartner verabschiedet.

Um eine breite Öffentlichkeit an den Maßnahmen zu beteiligen, wurde mit den Stimmen der rot-grünen Koalition der Klimaschutzbeirat ins Leben gerufen, in dem Vertreter der größten Vereine, Institutionen und Unternehmen in Göttingen mitwirken.

Die Stadtwerke beteiligen sich von Anfang an intensiv in den Maßnahmen zum Klimaschutz und investieren mittlerweile bis zu fünf Millionen Euro jährlich in den Ausbau erneuerbarer Energien (Photovoltaik) und einer umweltfreundlichen Fernwärme. Über 1000 Photovoltaikanlagen wurden in Göttingen installiert. Die Fernwärmeversorgung wächst und wird in naher Zukunft zu drei Vierteln aus erneuerbaren Energien und in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt werden.

Immer wieder gibt es Forderungen nach einer schnelleren Umsetzung der Anstrengungen gegen den Klimawandel, z. B. bereits bis zum Jahr 2030 („Klimastadtplan Göttingen“). Die Göttinger SPD will sich immer wieder von solchen Visionen herausfordern lassen, größer und weiter zu denken in der Umsetzung der Maßnahmen. Wir wissen aber zugleich auch um die realen Möglichkeiten, das fehlende Personal, sowie gesetzliche Randbedingungen und die leeren öffentlichen Kassen. Wir wollen uns nicht so sehr mit dem beschäftigen.

Es gibt aber noch viel zu tun
In Göttingen werden in Ermangelung relevanter Windkraftkapazität 9,1% der verbrauchten Strommengen aus erneuerbaren Energien erzeugt. Bundesweit sind es bereits über 40%.

Im Bereich Verkehr konnten im Stadtgebiet trotz Priorisierung des Radverkehrs, z. B. durch den Radschnellweg und Radwegetrassen quer durch die Stadt und in das Umfeld und großen Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr bisher keine markanten Reduktion des motorisierten Individualverkehrs erreicht werden.

Im Sektor Wärme hat es in der Stadt Göttingen eine jährliche Reduktionen des Verbrauchs (ca. -1 %/a) und ein steigender Anteil an erneuerbaren Energien gegeben, das ist zu wenig.

Wir sehen daher die Notwendigkeit, die Verwirklichung der beschlossenen klimawirksamen Programme stärker voranzutreiben und zusätzliche Maßnahmen zu entwickeln, welche sozialverträglich unsere Zukunft in Göttingen vorbereiten. Wir verstehen das Prinzip der Nachhaltigkeit als besten Leitfaden bei der Fortsetzung der Anstrengungen gegen den Klimawandel. Nachhaltige Betrachtung heißt, neben dem ökologischen Aspekt auch den sozialen – also die Auswirkung auf die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft – und den wirtschaftlichen zu berücksichtigen. Wir wollen den Schwerpunkt auf Maßnahmen legen, bei welchen die Bürger*innen sich die Einsparungen auch leisten können.

Unsere Ziele in zentralen Arbeitsfeldern:
Strom: Göttingen verbraucht aktuell ca. 550 GWh Strom. Diese Menge wollen wir in Göttingen oder der nächsten Umgebung erneuerbar produzieren lassen. Zusätzlich muss in den nächsten Jahren für das Einsparen von Energie und Erhöhung der Effizienz der Energienutzung in städtischen Gebäuden und im öffentlichen Raum investiert werden.

Das Potential für regenerative Energiequellen im Stadtgebiet Göttingen ist begrenzt. Nur vier Wasserkraftwerke mit einer Gesamtkapazität unter 200 kW produzieren erneuerbaren Strom und es gibt wenig Ausbaupotential. Es gibt nur eine Windkraftanlage, die kurz vor Ende ihrer Nutzungsdauer steht. Weitere Anlagen werden aus artenschutzrechtlichen Gründen kaum zu realisieren sein. Ca. 70% der Strommengen aus erneuerbarer Energie kommen heute aus der Biogasverstromung in Kraft-Wärme-Kopplung der Stadtwerke. Hier gibt es nur geringe Ausbaukapazitäten. Allerdings kann durch „Import“ von Biomethan aus dem Bundesgebiet ein CO2-neutraler Betrieb von Blockheizkraftwerken (BHKW) zur effizienten Strom- und Wärmeproduktion ermöglicht werden.

Das größte Potential für erneuerbare Stromerzeugung im Stadtgebiet besitzt die Photovoltaik (PV). Zwar wurden in Göttingen bereits über 1.000 PV-Anlagen installiert, jedoch zeigt das Solarkataster Südniedersachsen, dass weniger als 10% der möglichen Dachflächen genutzt werden. Der wirtschaftliche Vorteil der Eigenversorgung durch eine PV-Anlage sollte deshalb in zunehmendem Maße auch den Bewohnern der Mehrfamilienhäusern und mit geringerem Einkommen zugänglich gemacht werden. Wichtiger ist dabei allerdings die Aufrüstung im Gebäudebestand.

Die SPD Göttingen wird deshalb folgende konkrete Ziele umsetzen:

  • Die Nutzung von PV-Strom für den Eigenverbrauch ist wirtschaftlich, darum setzen wir uns für eine städtische Satzung ein, die den Einbau von PV oder solarthermischer Module bei Neubauten obligatorisch macht.
  • Die Stadtwerke werden wir auffordern, ihr schon bestehendes Mieterstromprodukt für den Ausbau von PV auf Mehrfamilienhäusern gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft weiter voranzutreiben.
  • Die Stadt soll gemeinsam mit der Verbraucherschutzzentrale sowie der Elektrikerinnung eine mehrmonatige Werbekampagne für den Ausbau von Photovoltaik und Solarthermie starten.
  • Die Stadtwerke oder ein Projektierungsbüro sollen in den nächsten zehn Jahren die Errichtung von 400 MWp PV-Parks auf Göttinger Gemarkung mit einer Jahresproduktion von ca. 360 GWh Solarstrom projektieren. Die derzeit diskutierten aufgeständerten Agro-PV-Anlagen sehen wir aus ökonomischer Sicht sehr kritisch, über eine Versuchsanlage kann allerdings nachgedacht werden.
  • Der Bau von Windkraftanlagen soll auch in Landschaftsschutzgebieten auf Göttinger Gemarkung möglich gemacht werden, sofern Arten- und Naturschutz dies zulassen.
  • Glüh- und Leuchtstofflampen in öffentlichen Gebäuden sollen weiter konsequent auf LED-Beleuchtungen umgestellt werden


Wärme:
Den größten Anteil am Primärenergiebedarf hat in Göttingen der Wärmeverbrauch. Auch wenn dieser Bedarf durch bauliche und technische Maßnahmen (bessere Heizungstechnik, mehrfach verglaste Fenster und Dämmsysteme etc.) mit ca. 1 – 1,5 %/a rückläufig ist, so liegt doch das im Masterplan Klimaschutz angestrebte Ziel von 65% Einsparung in weiter Ferne. Da Handwerker für einen schnelleren Aus- und Umbau der Gebäudesubstanz aktuell nicht verfügbar, bzw. sehr teuer sind, ist es für die nächsten Jahre sinnvoller, den Akzent auf die Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmesektor zu setzen, wie dies schon im Gebäudeenergiegesetz vorgesehen ist.

Wir werden deshalb folgende konkrete Ziele umsetzen:

  • Die Stadt soll die Möglichkeiten nutzen, beim Verkauf städtischer Grundstücke oder der Erschließung von Neubaugebieten mit Hilfe städtebaulicher Verträge klare Vorgaben für die Nutzung erneuerbaren Energien, von Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Biomethan oder der Fernwärme zu machen.
  • Dem Ausbau einer möglichst weitgehend regenerativ erzeugten Fernwärme soll weiter Vorrang gegeben werden. Die im Stadtgebiet vorhandenen Quellen von Abwärme (Abwasser, Kläranlage, industrielle Wärme, Rechenzentren) sollen erfasst und in Bezug auf eine Einspeisung in das Fernwärmenetz wirtschaftlich bewertet werden.
  • Für die seit Jahren diskutierte Forschungsbohrung für Geothermie müssen Fördermittel von Bund und Land eingeworben werden.


Städtebau:
Der Städtebau, insbesondere in der Form der Quartiersentwicklung ist eine der stärksten Möglichkeiten der Stadt, die Klimaneutralität zu erreichen. Wenn Deutschland im Jahr 2050 klimaneutral sein soll, müssen wir heute Quartiere klimaneutral bauen. Dies bedeutet die kosteneffiziente Bereitstellung von Nahwärme und Quartiersstrom aus der Kraft-Wärme-Kopplung, Holznutzung, Solarthermie und PV-Parks. Beim Bau sollen alternative Baustoffe zum Einsatz kommen.

In der Kombination von energieeffizientem Bauen und der Nutzung von erneuerbaren Energien muss dieses Ziel nicht mit dem Erfordernis nach ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum kollidieren. Im Gegenteil: Die Bürger*innen werden vom Verzicht auf fossile Primärenergieträger profitieren, wenn die CO2-Zertifikate im Preis ansteigen. Erneuerbare Energien werden in wenigen Jahren Preisvorteile gegenüber Erdgas oder Öl entwickeln.
Am Bau ist es mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz nicht nötig, die Wärmedämmung kostenintensiv zu maximieren, wenn gleichzeitig erneuerbare Energieträger genutzt werden. Bei allen Neubaugebieten und Quartierssanierungen müssen die vorhandenen Möglichkeiten zur Wärme- und zur Kälteversorgung miteinander verglichen werden. Die Nutzung lokaler erneuerbarer Energien, wie Solar- oder Geothermie, aber auch der Fernwärme ist zu bevorzugen.

Wir werden deshalb folgende konkrete Ziele umsetzen:

  • Alle zukünftigen Quartiere der Stadt Göttingen sind klimaneutral und gleichzeitig sozial ausgewogen zu entwickeln. Intelligente (smarte) Wohnlösungen für generationen-übergreifendes Wohnen mit sozialer Interaktion sollen solche Quartiere attraktiv machen.
  • Neue Wohnquartiere sind in Zukunft nur zusammen mit einem Mobilitätskonzept zu planen. Dabei soll der motorisierte Individualverkehr zurückgedrängt werden – bis hin zu autofreien Modellquartieren. Zugleich soll dem ÖPNV konsequent Priorität eingeräumt werden und sichere Rad-Schnellweg-Trassen müssen es vorteilhafter machen, mit dem e-Bike in die Stadt zu fahren. Zentrale Parkhäuser für Anwohner sollen den stehenden Verkehr aufnehmen und zugleich Zentren für Car-Sharing, E-Mobilität und multimodalen Verkehr darstellen (siehe Details im nächsten Abschnitt).
  • Erstes Beispiel für ein solches Projekt sollte das „Europaquartier“ sein.


Stadtklima:
Mit dem Klimawandel wird ein steigender Bedarf nach Klimatisierung in Neubau und Bestand beobachtet. Das kann einen Temperaturanstieg im städtischen Bereich zur Folge haben. Hier muss die Stadt Vorgaben bezüglich der Nutzung erneuerbarer Primärenergieträger für dieses wachsende Marktsegment formulieren. Gerade in Hinblick auf steigende Temperaturen darf die kontinuierliche Frischluftzufuhr in das Stadtgebiet nicht beeinträchtigt werden. So dürfen lokale Kaltluftschneisen nicht durch Bebauung blockiert werden.

  • Durch Veränderungsverbote wollen wir die weitere Umwandlung von Grünflächen, etwa von Vorgärten, in Parkflächen für Autos verhindern.
  • Einen Rückbau geschaffener Parkplätze in Gartenflächen ist unser Ziel. Ebenso wollen wir die Umgestaltung von Gärten in Schottergärten regulieren bzw. unterbinden. Hier wird ein Rückbau angestrebt.
  • Das Klima soll auch durch Fassaden- und Dachbegrünung verbessert werden. So kann in Neubaugebieten und im Altbestand eine zusätzliche grüne Lunge der Stadt entstehen.
  • Um die Zukunftsfähigkeit der Stadt zu stärken, muss ein Stadtgrün- und Gewässerplan zunächst für die Innenstadt entwickelt werden.


Die letzten Starkregen haben gezeigt, dass das Konzept der Stadtentwässerung nicht nur unzureichend, sondern auch schädlich ist.

  • Gerade in den noch zu planenden Neubaugebieten wollen wir deshalb der Idee der „Schwammstadt“ Rechnung tragen: nicht nur Ableitung, sondern auch Rückhalt und Versickerung von Regenwasser soll Raum gegeben werden. Dieses kann auch im Bestand gefördert werden, indem in Gärten oder öffentlichen Flächen der Bau von Zisternen und Bereichen zur Regenwasserversickerung unterstützt wird.
  • Weiterhin wollen wir prüfen, ob und in welchem Umfange verrohrte Wasserläufe wieder geöffnet werden können.


Wasserstoff:
Die nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung wird für den Verkehrssektor und die industrielle Nutzung in Zukunft eine große Rolle spielen. Wir werden dafür eintreten,

  • dass sich Göttingen um die Einrichtung einer Wasserstofftankstelle bemüht.
  • dass das Wasserstoffprojekt des SNIC unterstützt und die Gewinnung von grünem Wasserstoff in einem Pilotprojekt realisiert wird. Zeitgleich sollen die Verkehrsbetriebe die Weiterentwicklung der beschlossenen Strategie für elektrisch basierten ÖPNV zu wasserstoffbasiertem Busverkehr prüfen.

Mobilität für Alle – Verkehrswende in Göttingen

Mobilität ist für jeden von uns ein wesentliches Moment der individuellen Lebensgestaltung. Die Mobilitätsbedürfnisse der Bürger*innen und die der Wirtschaft sind ein Grundelement unserer Lebensqualität. Diese Mobilität braucht aber eine nachhaltige Verkehrswende. Wir müssen zugunsten einer wirksamen Umweltpolitik anfangen umzudenken. Für die SPD Göttingen ist diese Verkehrswende verbunden mit einer Verringerung des PKW-Verkehrs.

Wir wissen dabei: Diese Verkehrswende bedeutet individuelle Interessen zu überwinden und seit vielen Jahren aufgebauten Barrieren in unseren Köpfe zu überwinden. Wir streben ein häufigeres „Nein“ zum Auto und ein konsequenteres „Ja“ zu anderen Verkehrsmitteln an. Dies kann aber nur gelingen, wenn attraktive Alternativen zur Verfügung stehen und gestärkt werden. Nur dann kann das Autofahren zurückgedrängt werden. Dafür müssen Fahrräder, öffentlicher Nahverkehr und Car-Sharing-Angebote einfach erreichbar und gut nutzbar und das Zufußgehen sicherer möglich sein. Wichtig ist für uns dabei unser Ziel: Wir wollen bessere Luft und mehr Ruhe und Grün in unserer Stadt.

Uns ist jedoch klar: Den PKW-Verkehr werden wir auch zukünftig noch benötigen, solange es noch nicht für alle möglich ist, sich mit emissionsarmen Fahrzeugen zu bewegen. Sei es aus finanziellen Gründen, sei es aus logistischen Gründen, sei es, weil die technologische Entwicklung noch nicht weit genug fortgeschritten ist.

Klar ist doch aber auch: Es muss das Ziel von uns allen sein, dass wir in einer lebenswerten Stadt leben. Dazu gehört eine gute, gesunde und schadstoffarme Luft. Wohngebiete, die Zufahrtsstraßen zur Innenstadt und die Innenstadt selbst müssen von Abgasen und Lärm des privaten Autoverkehrs entlastet werden. Um dieses zu erreichen, will die SPD Göttingen eine leistungsfähige und kostengünstige Verkehrsinfrastruktur gestalten, die die erforderliche Mobilität effizient und nachhaltig organisiert. All dies aber im Abgleich mit den Ansprüchen der Konsumenten, der Wirtschaft und des Handels.

In Zentren wie Göttingen leben die Menschen, weil sie hier ein gutes Umfeld zum Leben finden – vom Schulangebot über die Schwimmbäder bis hin zur Stadtbücherei. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür und sind bereit, enger und dichter als auf dem Land zu leben. Zugleich haben wir durch die Unterordnung der Stadtentwicklung unter das Primat von Auto und Straße viel Raum verloren. Diesen Raum können wir besser für unser Leben in der Stadt nutzen, öffentlich wie privat. Wir müssen uns den Raum wieder erobern.

Die Verkehrswende muss sich aber auch auf Verkehrsströme auswirken, die aus der Region nach Göttingen herein und wieder herausführen. Für die Bewohner*innen der Innenstadt, für die Menschen am Stadtrand und in der Region müssen die Angebote attraktiv gestaltet sein. Dafür müssen sie zuverlässig, einfach zugänglich, inklusiv und vor allem für alle bezahlbar sein. Erste Schritte sind eine gemeinsame Nahverkehrsplanung im ZVSN und die VSN-Tarifreform (Fünf-Euro-Ticket).

Wir werden diese Verkehrswende in den nächsten Jahren Stück für Stück umsetzen – immer gemeinsam mit den Betroffenen. Wir wissen aber, dass ein Zeitrahmen von mindestens 4 -5 Jahren nötig sein wird, um alle Elemente sinnvoll zu planen und zu diskutieren. Es ist deshalb für uns unverzichtbar, die Öffentlichkeitsarbeit und die Beteiligung der Bürger*innen bei den Maßnahmen der Verkehrswende zu verstärken.

Die Grundsätze und wesentlichen Handlungsfelder unserer Verkehrswende
Bei der Begründung für die Notwendigkeit der Verkehrswende steht die Gesundheit der Menschen an oberster Stelle. Nur durch die Verringerung von Emissionen werden wir die Klimakrise aufhalten und Krankheiten vermeiden, sodass auch zukünftig Göttingen unser Lebensraum und der Lebensraum unserer Kinder sein kann. Verkehr muss zum Klimaschutz beitragen. Zur Vermeidung dieser Emissionen soll auch die Siedlungsentwicklung und die Verkehrsplanung unter der Prämisse „Stadt und Region der kurzen Wege“ zusammen gedacht werden.

Zugleich muss für eine lebens- und liebenswerte Stadt die Aufteilung der Verkehrsräume auch für das soziale und kulturelle Leben zugeschnitten werden. Auf Straßen und Plätzen findet auch das öffentliche Leben statt. Wir brauchen also mehr Flächengerechtigkeit.

Dabei gilt weiter das Motto: „Wir sind mobil“. Voraussetzung hierfür ist für uns eine effiziente Gestaltung der Verkehrssysteme ohne Einschränkung der Mobilität. Daher gehört zu den zentralen Elementen der Verkehrswende die attraktivere Gestaltung des ÖPNV, des Fuß- und Radverkehres und des Car-Sharing. Diese vier Alternativen müssen für alle schnell, sicher und effizient möglich sein. Sie müssen weiter finanziell gestärkt und ausgebaut werden, damit sie genauso attraktiv wie der motorisierte Individualverkehr werden und diese Alternativen von mehr Menschen genutzt und bevorzugt werden. Maßnahmen und Strategien müssen aus allen Perspektiven, z. B. der alten Menschen, der Kinder, der Studenten, des Einzelhandels oder der Logistik betrachtet werden.

Und es ist an der Zeit, neue Ideen und neue Methoden auszuprobieren. Wir brauchen kluge und bezahlbare Veränderungsvorschläge und Förderprogramme für die Verkehrswende.

Für uns ist dabei wichtig:

  • Eine weitestgehend autofreie Zone innerhalb des Walls. Damit wird Aufenthaltsqualität in der Innenstadt geschaffen. Wir wollen, dass Göttingen erlebbar wird. Hierzu bedarf es der Schaffung von PKW- und Rad-Abstellanlagen entlang des Walls, auf dem Schützenplatz und an den Einfallstraßen. Bei den Parkgebühren gilt das Prinzip: je umweltbelastender und je innenstadtnaher desto teurer.
  • Ein Park- und Ride-Konzept mit einem leistungsfähigen ÖPNV-Shuttle-Service von den PKW-/Rad-Abstellanlagen muss geschaffen werden, der günstiger ist als die Nutzung von Parkraum im Innenstadtbereich.
  • Neue Wohngebiete müssen zusammen mit einem Mobilitätskonzept geplant werden. Dabei soll der Individualverkehr zugunsten alternativer Mobilitätsformen eingeschränkt oder ganz unterbunden werden.


Unsere konkreten Maßnahmen:

Als erste Schritte zu unserem neuen Verkehrskonzept werden wir nach und nach eine Reihe von Maßnahmen einleiten:

  • Einführung eines leistungsfähigen Parkleitsystems bzw. Parkraummanagements, damit die ca. 4700 Parkplätze gezielt angefahren werden können. Ziel ist es: Parksuchverkehre zu reduzieren und Stellplätze für die Gestaltung des Lebensraums zu gewinnen.
  • Einführung einer Parkraumbewirtschaftung, die durch ihr Tarifsystem den Umstieg vom Auto in den ÖPNV attraktiver macht und durch günstige Gebühren das Parken in Parkhäusern günstiger macht.
  • Den Rückbau von Haltebuchten und Abstellplätzen an Schulanlagen sowie temporären Sperrungen von Straßen an Schulen, um Elterntaxen zu verhindern.
  • Zum Schutz von Wohngebieten werden wir nicht nur ein Mobilitätskonzept obligatorisch machen, wir streben auch die Konzeptionierung von sog. „Modalen Filtern“ an, die zulässige Mobilität begünstigen und unerwünschte – wie Durchgangsverkehre – nicht.
  • Wir werden weitere flächendeckende Tempo-30-Zonen in bewohnten Gebieten zur Minderung von Lärm und Abgasen ausweisen.
  • Sicheres Radfahren ist ein entscheidender Aspekt der Verkehrswende. In den Ausbau von Fahrradwegen und Kreuzungen werden wir deshalb mehr investieren. Ziel ist es, mehr und besser vernetzte Radwege in Göttingen und in das Umland zu bauen. Überall dort, wo Straßen instandgesetzt oder neu gebaut werden (z. B. in Neubaugebieten) sollen komfortablere Radfahrwege mitgeplant werden.
  • Den Radverkehrsentwicklungsplan (RVEP) für Göttingen werden wir rasch umsetzen und weiterentwickeln. Dabei kommt dem Ausbau des Radwegenetzes 1 aus diesem Plan eine vorrangige Bedeutung zu. Attraktive Ost-West-Verbindungen sollen damit schnellstens ausgebaut bzw. angelegt werden. Schnellrouten in Umlandgemeinden und in Ortsteile sowie eine noch bessere Verknüpfung mit dem Kreisradwegenetz ergänzen das Konzept. Beim Ausbau von weiteren E-Radwegen können aushilfsweise auch Straßen zu Fahrradstraßen umgewandelt werden.
    Beispiele hierfür sind:
    – der Rückbau der Hannoverschen Straße und Ausbau der dortigen Radwege, um
    Weende und Bovenden besser für E-Bikes anzuschließen.
    – die Vollendung einer Geismar-Trasse, die basierend auf Fahrradstraßen auf halber
    Anhöhe vom Nordcampus bis nach Geismar führt (Teile davon existieren schon).
    – die Entwicklung einer schnellen Radverbindung von Grone in die Innenstadt über den
    Greitweg.
  • Eine Umstiegsprämie für E-Biker (Wer auf dem Weg zur Arbeit unter 5 km das E-Bike nutzt, bekommt einen 250 kWh Gutschein) planen wir einzuführen.
  • Erstellung einer neuen Linienplanung für das Göttinger Busangebot, die das Park-und Ride-Konzept berücksichtigt und dabei sowohl Veranstaltungsorte wie die Stadthalle, die Lokhalle und die S-Arena bedient, als auch perspektivisch die P-u-R-Möglichkeiten vom Stadtrand in die City (z. B. von einem neuen Parkplatz auf dem ehemaligen GT-Gelände) in den Blick nimmt. Vorhandene oder neu zu bauende Parkhäuser werden zu Orten des Umstiegs zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln gemacht. Das ÖPNV-Angebot wird als Verbund-Angebot in gemeinsamer Linienplanung und Taktabstimmung mit den Umlandgemeinden des Landkreises Göttingens weiterentwickelt.
  • Ein Mobilitätsticket ermöglicht den Teilnehmenden eine günstige und bezahlbare Nutzung des ÖPNV und die kostenlose Nutzung von diebstahlsicheren Radstellplätzen am Wall, in der Innenstadt sowie am Bahnhof.
  • Ausbau des Netzes von Ladestationen durch die Stadtwerke.
  • Parkraumbewirtschaftung, Parkraummanagement und ÖPNV werden wirtschaftlich in einem kommunalen Unternehmen gebündelt werden. Eine notwendige Steuerung und Bündelung der Angebote und Maßnahmen kann nur aus eine Hand gelingen.
  • Es werden Verwaltungsstrukturen aufgebaut, um digitale Technik wie Sensorik, Telematik, Leittechnik oder ein E-Ticketingsystem als Grundvoraussetzungen einer intelligenten digitalen Mobilität einsetzen zu können. Dazu sollen die Göttinger Verkehrsbetriebe zum zentralen Mobilitätsanbieter umstrukturiert werden.
  • Die Mobilitätskarte für Göttingen wird neben der VSN-App weiterentwickelt.
  • Ein Handels- und Citylogistik-Netzwerk für Göttingen mit Vertretern von Verwaltung, städtischen Institutionen und Vertretern des lokalen Handels wird etabliert. Ziel ist Stärkung der Attraktivität der Innenstadt und der Bündelung von Warenströmen. Die führt zu einer Entlastung des innerstädtischen Verkehrs und einer höheren Wirtschaftlichkeit des städtischen Güterverkehrs.

Erholung in der Natur für Alle

Naturschutz und Naherholung sind zwei Dinge, die sich sehr gut ergänzen. Ziel der Göttinger SPD ist es, die so wichtige Naherholung im Umfeld einer Großstadt zu fördern und mit den Interessen des Natur- und Umweltschutzes in Einklang zu bringen.

Göttingen und sein Umland ist die Perle Südniedersachsens. Im Leinetal gelegen zwischen Göttinger Wald und Dransfelder Hochebene, mit attraktiven Natur- und Erholungsflächen im Stadtbereich, den stadtnahen Bereichen und den umliegenden Dörfern. Der Park, der Wald oder ein Schwimmbad liegen um die Ecke. Große Grünflächen und Parks bieten Erholung und sind auch öffentliche Räume zur Begegnung. Die Stadt verfügt mit dem Kiessee und dem Göttinger Wald über zwei nahe gelegene, gut erreichbare Erholungsgebiete. Saubere Luft, Schutz vor Hitze oder einfach nur Entspannung kann dort gefunden werden.

Die SPD-Göttingen will dies bewahren und entwickeln. Dieser Anspruch gründet auf einer langfristig angelegten Umweltpolitik und einer nachhaltigen Stadtentwicklung, sowie der Zusammenarbeit mit zahlreichen Umweltorganisationen und den Naherholungsbedürfnissen seiner Bewohner*innen.

Hierzu verabschiedeten wir bereits einen gut abgestimmten Flächennutzungsplan, der die Erfordernisse einer weiteren Wohnbauentwicklung und die Belange des Natur- und Umweltschutzes kombiniert hat. So konnten wir einer allgemeinen Überbeanspruchung unserer natürlichen Ressourcen entgegenwirken. Hier wollen wir weiter ansetzen, damit sich in Stadt und Umfeld die Natur weiterentwickelt. Wir müssen unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt und eine intakte Natur hinterlassen.

Das Wachstum Göttingens darf nicht auf Kosten von Umwelt und Lebensqualität künftiger Generationen stattfinden. Deswegen müssen im gleichen Maße bestehende Naturflächen und Naherholungsgebiete gesichert und angelegt, wie neue erschlossen werden. Die Hitzewelle im Sommer 2018, 2019 und 2020 mahnt: Lebensqualität, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit hängen nicht nur von Arbeitsplätzen, Einkommen und Konsummöglichkeiten ab, sondern ebenso vom städtischen Klima und Begegnungsmöglichkeiten im Grünen. Gerade für Bürger*innen mit geringem Einkommen, müssen Flächen für die Naherholung schnell und komfortabel zu erreichen sein.

Wir Sozialdemokrat*innen stehen für eine Vielfalt von Maßnahmen zum Schutz und Erhalt von Umwelt und Natur sowie des Ausbaues der Möglichkeiten für die Naherholung. So werden wichtige Aspekte der Lebensqualität in unserer Stadt erhalten und verbessert. Dafür werden wir Ziele verfolgen, die für beide Felder eine positive Entwicklung absichern oder einleiten.

Wir wollen die heimische Artenvielfalt erhalten und das Insektensterben so rasch wie es geht stoppen durch

  • …die Aufklärung und Beratung von privaten und gewerblichen Grundstücksbesitzer*innen wie Grünflächen naturschutzkonformer gepflegt werden können.
  • …die Beschränkung des Grünschnitts auf Zeiten außerhalb der Wildblumenblüte.
  • die ausschließliche Verwendung von heimischen, blütenreichen Pflanzen im Saatgut, u. a. für Blühstreifen an Straßen und Feldrändern, sowie bei der Pflanzung von Bäumen und Sträuchern.
  • …den schrittweisen Ersatz aller Leuchtmittel im öffentlichen Raum durch insektenverträgliche Lampen mit geringem Blau- und UV-Anteil.
  • …die bedarfsgerechte Begrenzung der Beleuchtungsdauer durch Bewegungsmelder.
  • den Erhalt von innerstädtischen Freiflächen, die dazu beitragen, der innerstädtischen Überhitzung Einhalt zu gebieten. Außerdem sind sie Erholungsraum für die Menschen und Trittstein für die biologische Artenvielfalt.

Wir wollen die Naherholung in den städtischen Grün-, Park- und Waldflächen erhalten und entwickeln durch

  • …eine naturschutzverträgliche Öffnung des Göttinger Waldes für die Bevölkerung für Freizeit und Erholung. Der Göttinger Stadtwald (z. B. der Kehr) muss als beliebtestes Ausflugsziel in der Region im Einklang mit den Zielen des Naturschutzes gepflegt und entwickelt werden.
  • …eine Aufwertung des Göttinger Westens als weiterer Schwerpunkt für Naherholung und Naturschutz. Der Westen der Stadt ist stark von gewerblichen Flächen und verdichteter Bebauung geprägt. Wir fordern, dass in Absprachen mit den Ortsteilen, die Offenland- und Waldflächen naturschutzfachlich entwickelt und für die Naherholung erschlossen werden.
  • …ein besseres Erreichen und Erleben der Publikumsmagneten wie Kehr, Kerstlingeröder Feld oder Bismarckturm. Wir fordern hier eine abgestimmte Konzeption zwischen den Interessen des Naturschutzes und der Naherholungssuchenden.
  • …die dringend erforderliche Sanierung und Weiterentwicklung des Göttinger Kiessees. Wasserflächen haben einen hohen Erholungswert. Wir setzen uns für den Erhalt der reichhaltigen Freizeitnutzungen und für eine Vertiefung der Wasserflächen zur sportlichen Nutzung sowie eine weitere Aufwertung der Leineaue ein.
  • … die Weiterentwicklung von weiteren Naherholungspotenzialen im Nordosten von Göttingen, wie der Billingshäuser Schlucht mit dem Menschenrechtspfad oder den Radwegverbindungen zu den Aussichtspunkte Hünstollen oder Plesse.